Zum Gastspiel des Kabaretts Pfaffenpfeffer am 15. September in der neuen Süßener Kulturhalle



Erzähl mir einen Witz, den ich noch nicht kenne! Mit ihrem Lieblingswitz stellen sich die fünf Künstler des Kabaretts Pfaffenpfeffer, allesamt protestantische Pfarrer in der Gemeinde oder in Ruh im Kirchenbezirk Göppingen, auf ihrer Internetseite vor. Ein Blick auf www. pfaffenpfeffer.de empfiehlt sich.

Pfarrer Dietmar Scheytt-Stövhase aus Vaihingen-Enzingen, seit 2007 Gemeindepfarrer in Dürnau, tritt auch mit seinem Soloprogramm „im freien Fall“ auf.

Klaus Steiner-Hilsenbeck, seit 2015 Pfarrer in Ruh in Bad Boll, übt sich seit 1985 im Gesang.
Pfarrerin Carola Kittel aus Göttingen kam über Diemelstadt, Bad Salzuflen und das Studium in Marburg, Göttingen und Tübingen als Pfarrerin nach Heilbronn-Klingenberg.

Mechthild Friz ist Pfarrerin in der Reuschkirche in Göppingen seit 2008 - und seit 2010 Kabarettistin bei Pfaffenpfeffer. Ihr Leitmotiv der Satz von Ringelnatz: Humor ist der Knopf, der verhindert, dass uns der Kragen platzt.
Walter Scheck, Pfarrer i.R .seit 2013. Seine Geschichten: teils bizarr, teils unglaublich, teils fröhlich.

Mathis Hilsenbeck, seit 2015 am Klavier und noch ohne Lieblingswitz auf der Homepage.
Seit 2005 mischt der Kirchenbezirk Göppingen in der Kabarettszene mit.

2004, am Rande des Göppinger Dekanatskonvents, rief der damalige Börtlinger Pfarrer Dietmar Scheytt-Stövhase zur Gründung eines Pfarrerkabaretts (wohl im Sinne von Max Reinhardt zur Parodie von seiner Bühne?) auf. Seit 2009 trägt es den Namen Pfaffenpfeffer.
Im Juni 2005 schon die erste Premiere mit „Was wäre Gott ohne uns?“ Es folgen im gleichen Jahr „Das Blaue vom Himmel“ und „Entwurzelt und flügellahm“ Weiter ging es mit „Wir glauben alles, außer...“, „Das Beste aus 10 Jahren Pfaffenpfeffer“. Weiter „Widerspruch zwecklos“ , „Wer mit wem und warum?“, dann „Außer Thesen nichts gewesen?“

Das Reformations Jubiläum ist verklungen. Die Muse mit der scharfen Zunge führt die Feder zu neuen literarisch satirischen Leckerbissen: Sketchen, Chansons, Balladen, satirischen Gedichten.
Wir freuen uns auf Dietmar Scheytt-Stövhase, Klaus Steiner-Hilsenbeck, Carola Kittel, Mechthild Friz, Walter Scheck, Mathis Hilsenbeck
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Die Recherche hat Herrn Dr. Deibele, den Verfasser dieses Artikels, nicht mehr losgelassen. Für alle, die sich für Kabarett und geistreiche Kleinkunst interessieren, ist der folgende Text sicher lesenswert.

Ein kurzer Rückblick auf das literarische und politische Kabarett:
Humoristisch-satirische Kleinkunst in Gedichtform, gemischt mit Chansons, Balladen, Sketchen mit politisch-sozialkritischer Tendenz, entstand in den literarischen Kneipen der Pariser Bohemiens. 1881 eröffnete das „Chat noir“ (schwarze Katze) von Rodolphe Salis auf dem Montmartre als Gegenbewegung gegen das offizielle Theater. In Berlin gründete Wolzogen 1901 sein „Überbrettl“ mit literarischen Texten und Sketchen. Im gleichen Jahr wird in München das Kabarett die „Fünf Scharfrichter“ mit Otto Falkenberg ins Leben gerufen. Dort sang Frank Wedekind zur Laute, bald war er dann auch bei Kathi Kobus im „Simplizissimus“. 1902 gründete Max Reinhardt in Berlin mit Schauspielern des Deutschen Theaters das Kabarett „Schall und Rauch“ mit Literatur- und Bühnenparodien. Im Ersten Weltkrieg wurde das Kabarett politisch. 1916 die Dadaisten mit „Cabaret Voltaire“, in Berlin, W. Mehring 1918 und A. Breton 1920 in Paris. Als Autoren zeichneten Klabund, Ringelnatz, Tucholsky, Kästner. Werner Finck gründete 1930 in Berlin die „Katakombe“. Antifaschistische Kabaretts entstanden. In der Schweiz die „Pfeffermühle“ unter Erika Mann mit Therese Giese, „Das Cornichon“, dann das „Cabaret Federal“ mit großen Erfolgen von Solokabarettisten. 1945 eröffnete in München die Schaubude mit Erich Kästner, 1947 in Düsseldorf „Das Kom(m)ödchen“ unter Kay Lorentz. Auch 1947 in Berlin das Studentenkabarett „Die Amnestierten“. Daraus ging 1961 das „Kleine Renitenztheater“ in Stuttgart hervor. Weiter ging es mit den „Insulanern“ in Berlin, der „Mausefalle“ in Stuttgart. In Ostberlin entstand ein Staatskabarett, in Westberlin die „Stachelschweine“. In München 1955 unter S. Drexel die „Lach- und Schießgesellschaft“ mit Dieter Hildebrandt.